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Schwundmaß-Rechner: Wie stark arbeitet dein Holz?

Holz „arbeitet" — es schwindet beim Trocknen und quillt bei Feuchte. Wie viel genau, hängt von Holzart, Richtung und Feuchteänderung ab. Rechne es für dein Brett aus, bevor die Fuge reißt.

Warum Massivholz-Tischplatten im Winter reißen

Der Klassiker: Die selbstgebaute Eichenplatte übersteht den Sommer tadellos — und bekommt in der ersten Heizperiode einen Riss. Der Grund ist immer derselbe: Holz gibt in trockener Heizungsluft Feuchte ab und schwindet. War die Platte starr verschraubt, kann sie nicht nachgeben und reißt an der schwächsten Stelle. Der Rechner zeigt dir vorab, um wie viele Millimeter dein Brett bei der geplanten Feuchteänderung arbeitet — und ob du eine Dehnungsreserve einplanen musst.

Radial, tangential — und warum das den Unterschied macht

Holz schwindet in jede Richtung anders. In Faserrichtung (der Länge nach) praktisch gar nicht. Radial — vom Mark zur Rinde — mäßig. Tangential — entlang der Jahrringe — am stärksten, grob doppelt so viel wie radial. Deshalb schüsseln flach aufgetrennte Bretter (liegende Jahrringe), während stehende Jahrringe (Riftschnitt) formstabiler bleiben. Der Rechner gibt dir beide Werte, damit du je nach Schnittbild die relevante Richtung ablesen kannst.

Der Trick heißt: arbeiten lassen

Gegen das Schwinden kämpft niemand erfolgreich an — man plant es ein. Tischplatten werden mit Langlöchern oder Nutklötzen befestigt, damit sie sich bewegen können. Massivholz wird vor der Verarbeitung auf die spätere Raumfeuchte akklimatisiert (innen 8–12 %). Und Verleimungen mehrerer Bohlen wechseln die Jahrring-Ausrichtung, damit sich die Spannungen ausgleichen. Wie schwer ein Brett dabei ist, sagt dir übrigens der Holzgewichts-Rechner.

Datenbasis & Methodik

Differentielle Schwindmaße (Schwindung in % je 1 % Holzfeuchteänderung, radial/tangential) aus holzfragen.de (Quellen: P. Niemz, Wood Physics ETH Zürich; TU München; GDH e.V.), durch mehrere Fachquellen bestätigt. Normbezug: DIN 68100:2010-07 (Toleranzsystem für Holzbe- und -verarbeitung). Formel: Maßänderung Δl (mm) = Ausgangsmaß (mm) × diff. Schwindmaß (% je 1 % u) × Feuchtedifferenz Δu (%) ÷ 100. Geschwindet/gequollen wird nur unterhalb der Fasersättigung (~30 %). Naturprodukt Holz streut — die Werte sind Mittelwerte.

Wichtig

Richtwerte auf Basis mittlerer Schwindmaße — echtes Holz streut nach Herkunft, Rohdichte und Jahrringlage. Für kritische Passungen (Fenster, Furnier, Intarsien) mit Reserve planen und die reale Holzfeuchte messen.

Häufige Fragen

Was ist die Fasersättigung?

Der Feuchtebereich (grob 28–30 %), unterhalb dessen Holz beginnt zu schwinden. Oberhalb liegt freies Wasser in den Zellhohlräumen — da ändert sich das Maß noch nicht. Der Rechner rechnet nur unterhalb.

Auf welche Holzfeuchte soll ich trocknen?

Für Möbel im beheizten Innenraum sind 8–12 % Ausgleichsfeuchte üblich. Frisch geschnittenes oder feucht gelagertes Altholz muss vor der Verarbeitung erst auf dieses Niveau akklimatisieren.

Warum schwindet tangential mehr als radial?

Wegen des anisotropen Zellaufbaus: entlang der Jahrringe (tangential) arbeitet Holz rund doppelt so stark wie senkrecht dazu (radial). In Faserrichtung ist die Schwindung vernachlässigbar.

Gilt das auch für altes Holz?

Ja — die Schwindmaße sind Materialeigenschaften der Holzart. Sehr altes, lange akklimatisiertes Altholz hat seine großen Bewegungen aber meist hinter sich und ist entsprechend maßstabil.

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